8 agosto, 2016

Elsa Cladera de Bravo

Bravo ElsaKämpferin für soziale Gerechtigkeit Elsa Cladera de Bravo (1922-2005) „Das Recht der Frau, erwerbstätig zu sein, ist eine der wichtigsten Forderungen im Kampf der weltweiten Emanzipation der Frauen. Die Voraussetzung der Gleichberechtigung von Frau und Mann bedeutet nicht nur das Recht auf Teilnahme an der produktiven Arbeit unter gleichen Bedingungen für Mann und Frau, sondern auch die Teilhabe an sozialen Errungenschaften wie aktive Teilnahme am wirtschaftlichen und politischen Leben in unserem Land“, betonte Elsa Cladera de Bravo in ihrer Rede, als sie am 11. Oktober 1968 von der gewerkschaftlichen Frauenbewegung in Bolivien geehrt wurde. Damals war auch in Bolivien das öffentliche und politische Leben ausschliesslich von Männern geprägt. Elsa Cladera de Bravo wusste sich in diesen Männerwelten zu bewegen: „Ich habe den Respekt von den Männern erreicht, weil ich eine Frau bin, die seriös und vorsichtig gearbeitet hat.“ Sogar ihre Gegner haben ihren starken Charakter bewundert. Sie pflegte ihren eigenen Stil, der darin bestand, die Perspektiven aller in Erfahrung zu bringen, um anschliessend entscheiden zu können. Von KollegInnen wurde sie so gesehen: Elsa Cladera de Bravo zeichnete sich aus durch Zuhören und Einfühlungsvermögen. Sie verstand es, Orientierungen und Ratschläge zu geben.

Fernando BravoElsa Cladera de Bravo wurde am 3. Februar 1922 in Oruro, Bolivien, als Tochter von Florinda Encinas San Martín und Carlos Cladera geboren. Der Vater war Jurist und wurde dreimal zum Bürgermeister von Oruro und darüber hinaus in den obersten Gerichtshof von Bolivien gewählt. Ihr Elternhaus war geprägt durch einen Vater mit progressivem Gedankengut, der früh einem Mord zum Opfer fiel, und einer Mutter, die aus einer Familie von Grund- und Minenbesitzern stammte. Elsa Cladera de Bravo wurde Volksschullehrerin und Mitglied der Lehrergewerkschaft Boliviens. 1943 heiratete sie Fernando Bravo, Lehrer und Professor an den Universitäten in Oruro und La Paz. Mit ihm hatte sie drei Töchter. Zusammen führten sie ein politisch engagiertes Leben. Sie kämpften für bessere Lebensbedingungen und für soziale Gerechtigkeit in Bolivien. Fernando Bravo wurde in seinem Leben mehrmals verhaftet und im Gefängnis gefoltert.

Die Volksschullehrerin

Nach der bolivianischen Revolution von 1952 engagierte sich die Volksschullehrerin Elsa Cladera de Bravo für die nationale Alphabetisierungskampagne, die Erziehungsreform, die konfessionsfreie Schule, die Abschaffung des Schulgelds und für Koedukation. Kämpferin für Frauenrechte und Gewerkschafterin Elsa Cladera de Bravo trat für die Rechte der Frauen in der Erwerbsarbeit wie im häuslichen Bereich ein. Sie beteiligte sich in den 50er-Jahren nach der Revolution an der Gründung von Frauenorganisationen wie der „Alianza de Liberación de la Mujer Latinoamericana“ (ALMA) und der „Unión de Mujeres de Bolivia“ (UMBO). Die Ziele der beiden Organisationen waren, Frauen in allen Regionen von Bolivien zu organisieren und sich nach deren Bedürfnissen zu richten. Vorerst und grundsätzlich ging es darum, Hunger und Armut in den Familien zu überwinden, für die Frauen ökonomische und sozialpolitische Unabhängigkeit zu erstreiten, eine bessere Kindererziehung, eine kostenlose und obligatorische Schule zu verlangen, Zugang zur Erwerbsarbeit, Sozialversicherungen und Mutterschaftsurlaub zu erreichen. Weiter traten die beiden Frauenorganisationen ein für die politische und soziale Beteiligung der Frauen in Bolivien. Fernando Bravo wurde 1962 erster Sekretär der Lehrergewerkschaft in La Paz. Er kämpfte für Lohnerhöhungen und organisierte einen Generalstreik. Danach wurde er krank und starb an den Folgen von Folterungen und Gefangenschaft. Nach dem Tod von Fernando Bravo wurde Elsa Cladera de Bravo von 1965 bis 1970 erste Sekretärin der Lehrergewerkschaft auf regionaler und nationaler Ebene. Gleichzeitig wurde sie als Vertreterin der Lehrergewerkschaft in den Volkskongress und als Sekretärin der Arbeiterzentrale in das revolutionäre Volkskomitee gewählt.

Das Konfliktjahr 1971

Lateinamerika durchlebte von 1970 bis 1971 eine bewegte Zeit, die mit heute verglichen werden kann. In Chile war Salvador Allende Präsident, in Peru Velasco Alvardo und Juan José Torres González in Bolivien. Elsa Cladera de Bravo wurde im Konfliktjahr 1971 als COB-Abgeordnete (Dachverband der bolivianischen Arbeiterschaft) für die Volksversammlung (Asamblea Popular) ernannt. Sie war eine der drei ersten Frauen im Parlament Boliviens. Die Volksversammlung fand innerhalb des Parlaments statt und vereinte Organisationen von Arbeitnehmenden, Berufsverbänden, Parteien und verschiedenen Verbänden unter anderem der Frauen, StudentInnen, SchülerInnen. Als die Volksversammlung die Kontrolle über die Volkswirtschaft übernehmen wollte, wurde das Militär auf den Machteinfluss der Volksversammlung aufmerksam. Der blutige Putsch vom 22. August 1971, angeführt von General Hugo Banzer Suárez, war die Folge und setze allen demokratischen Bewegungen ein Ende. Dieser Putsch war der Anfang grosser Repression in Bolivien und Lateinamerika. Der Putsch von General Banzer zwang Elsa Cladera de Bravo in den Untergrund und zu einer gefährlichen Flucht nach Chile. Dort war sie 1971-1973 und führte von da aus ihr politisch engagiertes Leben weiter. 1973, beim Putsch von General Pinochet, wurde das Haus von Elsa Cladera de Bravo gestürmt. Alle anwesenden AusländerInnen wurden vom Militär gefangen genommen und direkt ins Stadion von Chile gebracht. Die Grenzen zu den umliegenden Ländern wurden sofort geschlossen. Elsa Cladera de Bravo konnte nicht mehr nach Bolivien zurück. Durch Zufall gehörte Elsa Cladera de Bravo zu den ersten 200 Flüchtlingen, die dank der Menschrechtskonvention in der Schweiz Aufnahme fanden. LateinamerikanerInnen haben so zum ersten Mal in der Geschichte das Recht auf Exil bekommen.

Im Exil in der Schweiz

Bravo Elsa 1994 06 21 Villars sur GlâneIm Exil setzte sich Elsa Cladera de Bravo aktiv in der Solidaritätsarbeit mit Lateinamerika ein. Sie klagte die lateinamerikanischen Diktaturen an und reiste nach Schweden, Paris, Italien, um mit verschiedenen Flüchtlingen Kontakt aufzunehmen. In der Schweiz gründete sie verschiedene lateinamerikanische Solidaritätskomitees und die „Unión de Mujeres de Bolivia“ (Bolivianische Frauenvereinigung) in Europa. Sie arbeitete für die Flüchtlinge in Schweden, Paris, Zürich, Genf, Freiburg. In der Folge wurde sie Anfang 1976 Leiterin des Chilekomitees in der Schweiz und gründete in Zürich das erste Lateinamerikanische Haus in der Schweiz.Das Leben im Exil war für Elsa Cladera de Bravo nicht einfach. Sie war bereits 50 Jahre alt und hatte keine Chance, ähnliche Aufgabenbereiche wie in Südamerika zu finden. Es war für sie schwierig, die französische Sprache zu lernen, Fuss zu fassen und sich zu integrieren. Ihre Gesundheit wurde immer schlechter. Trotzdem setzte sie sich für viele Menschen ein. Ihr Haus war ein offener Treffpunkt für viele Menschen in der legalen und illegalen Emigration.

WegbereiterinnenIm Kalender des Pellensverlages von 2007, Wegbereiterinnen, ist Elsa Bravo als eine der politischen Frauen dargestellt.

Elsa Bravo auf Wikipedia http://en.wikipedia.org/wiki/User:Nadezhda_Bravo_Cladera

 

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